Rezension zu „Jeder Tag endet mit dem Tod“ von Michael Schröder

Kriminalistische Feinstarbeit in gekonnter Sprachvielfalt

Michael Schröder überzeugt mit seinem Krimi „Jeder Tag endet mit dem Tod“

„Das war nicht mehr SEINE Welt, die sich drehte …“ Dies ist einer der zentralen Schlüsselsätze, die einem nicht nur vom Text her in Erinnerung bleiben, nein — vielleicht auch gerade deswegen, weil sie bereits im Paratext des Krimis auftauchen. Doch wer ist dieses „SEINE“ und vor allem, wenn es nicht die seine ist, die welche ist es dann, die sich dreht?

In „Jeder Tag endet mit dem Tod“ werden alle Aspekte der Genreästhetik bedient. Dies soll nicht negativ behaftet werden, denn ein Einhalten dieser Richtlinien ist es, was oftmals einen guten Krimi ausmacht und Schröder schafft es, mit fansastischer Vielfalt den Blick vom Herkömmlichen abzulenken. Er zeichnet einen Kommissar, wie er im Buche steht. Erinnernd an Tatort-Kommissar Schimanski, ist Elmar Kreuzer aus Karlsruhe derjenige, „der nicht aufgibt“. Diese Tatsache führt auch die kleine Lisa aus der Pfalz zu ihm, und die sie ihn bitten lässt, den Mordfall an ihrem Vater zu übernehmen.

Was auf den ersten Blick ein bisschen wie Mumpitz aussieht, Elmar sich innerlich erhofft, er sei in ein, höchstens zwei Tagen wieder heraus, erweist sich aber als Endlosschleife. Der Kommissar wird in einer Zeitschleife gefangen, die ihn immer wieder an seinen ersten Ermittlungstag bringt, alles gleich ablaufen lässt. Ihm bleiben nur die Erkenntnisse des Vortages und die Mission, nicht aufzugeben, den Fall an Udo König aufzuklären.

Michael Schröder schafft es, mit unterhaltsamer Charakterzeichnung den Leser in seinen Bann zu ziehen. Die Sympathie zu Kreuzer besteht prinzipiell seit der ersten Seite. Die Identifikation mit dem Kommissar schlägt Saltos zwischen undistanziert und distanziert. Das punktuelle Einfühlen in den Charakter, der auf einmal Gefüle hervorbringt, der aber im Rahmen der Ermittlung wieder absolut distanziert zum Leser wird, ist eine spannende Achterbahnfahrt. Der Leser darf miträtseln, Vermutungen aufsetzen und sich letzten Endes wie Kreuzer wundern und staunen, wer der Mörder wirklich ist und welche raffinierte Geschichte hinter dem Mord steckt. Das Motiv steht hierbei mehr im Vordergrund als das whodunit.

„Jeder Tag endet mit dem Tod“ ist ein Krimi mit Klasse. Vor allem die Affekthervorhebung in Bezug auf den Leser ist erwähnenswert und zeichnet den Krimi aus. Sprachlich arbeitet Michael Schröder vor allem mit Humor und Sequenzen, die glatt als Merkzettel vermarktbar wären. Auch wenn das erste Drittel dem Werk sprachlich etwas nachsteht, gibt es von meinerseite hierfür ein großes Lob.

Jede Medaille hat eine Kehrseite, so möchte ich leider bei diesem Krimi, so leid es mir tut, auf eine Schattenseite hinweisen. Die Qualität des Inhalts in unanfraglich, die der Verarbeitung aber absolut inakzeptabel. Als Germanist behandelt man seine Bücher mit Respekt, Abnutzspuren sind unausweichlich und letzten Endes gehören sie zum Teil der eigenen Lesegeschichte dazu. Mein Exemplar von „Jeder Tag mit dem Tod“ löste sich allerdings bereits nach 100 Seiten lesen wortwörtlich auf (Siehe dieses Bild). Die Folie des Hochglanzcovers löst sich, einzelne Seiten fallen heraus. Der Satz des Buches ist absolut feindlich für den Leser. Zu große Absätze, kleine Schriftgröße und fehlerhafte Einrückungen nehmen dem Lesen das Vergnügen. Zudem gesellen sich viele Rechtschreibfehler, was auf ein inkonsequentes Lektorat hinweist. Deswegen ist das Buch nur aufgrund des fabelhaften Inhalts, nicht jedoch für die Arbeit des Verlags und Produktqualität sein Geld wert. Für mich ist dies ein Wehrmutstropfen, da dieser Krimi eindeutig eine bessere Schale verdient hat, als die, in der er festsitzt.

Angaben zum Buch:

ISBN: 978-3-942584-08-1

Preis: 14,90

Auch zu bestellen unter: Shop Michael Schröder

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