Blogparade: Wovon sollen wir träumen Teil 2

Liebe Leser,

nachdem ich mich im ersten Teil der Blogparade „Wovon sollen wir träumen?“ sehr mit Literatur beschäftigt habe und meine Gedanken dazu niedergeschrieben habe, lässt mich ein Gedanke nicht mehr los: Schreib einen zweiten Teil, einen, der noch weitreichender ist und noch tiefer in die Materie geht als der erste.

Gedacht ist auch schon beinahe getan. In letzter Zeit beschäftigt mich immer mehr die Digitalisierung der Literatur. Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht zu den Literaturwissenschaftlern/Autoren/Lesern gehöre, die eBooks & Co von Anfang an ablehnen. Aber ich gehöre auch nicht zu den Kandidaten, die jetzt vor Freude jaulend aufschreien, weil die Digitalisierung Tausend neue Möglichkeiten mit sich bringt. Ich sehe mich eher als ausgewogenen Mittelpunkt: Ich sehe die Digitalisierung als Chance, neue Sparten im Bereich der Literatur zu entdecken, vom Konservativen, Traditionellen wegzukommen und neue Wege einzuschlagen. Doch was hat das jetzt mit der Frage „Wovon sollen wir träumen?“ zu tun, unter der diese Blogparade läuft?

Ich träume von einer literarischen Welt, in der digitale Literatur und traditionelle Literatur nebeneinander existieren können, in der es zu einer neuen Wertschätzung des geschriebenen Wortes kommt und in der die Literatur/-Buchbranche besser zusammenhält und zusammenarbeitet.

Alle reden. Ich habe mittlerweile das Glück, die ein oder andere Stimme mitzubekommen, lese mehrere Blogs, verfolge Diskussionen auf Facebook & Co. Ich höre Stimmen, die sich für digitale Literatur aussprechen, ich höre laute Schreie, die sich gegen diese aussprechen. Branchenmitglieder, Studenten, Leser, Autoren. All das sind Menschen, die über die Digitalisierung der Literatur reden. Pro- und Contralisten erstellen, Vor- und Nachteile aufstellen, die einen schreien lauter als die anderen, doch was ist das Ergebnis?

Ich wünsche mir, dass nicht mehr nur geredet wird, sondern auch gehandelt. Als junger Student, Autor, angehender Literaturwissenschaftler frage ich mich, warum die Wege nicht einfach beschritten werden, die geplant werden. Sicherlich, Geld, Möglichkeiten, das spielt alles eine Rolle, wahrscheinlich eine größere, als ich momentan einschätzen kann. Aber dennoch, wieso springen wir nicht ins kalte Wasser? Traditionelle, Konservative gilt es zu überzeugen mit neuen Technologien, die auch funktionieren. eBooks können uns eine große Chance geben, mehrere mediale Ebenen miteinander zu verbinden. In meinen Vorstellungen könnten eBooks (Apps) aufgebaut werden, in denen Videos, Audioanteile und Textanteile miteinander kombiniert werden. Dies würde nicht nur eine neue Art des Lesens hervorbringen, sondern könnte auch gerade im schulischen Bereich sehr hilfreich sein!

Ich wünsche mir außerdem, dass die Jugend mehr gefördert wird. Gerade als junger Student, Autor, angehender Wissenschaftler hat man es nicht leicht in der Branche. Offene Ohren für Ideen gibt es kaum, die Chance, sich mit Ideen durchzusetzen, auszuprobieren, um innovativ Neues auszuprobieren und die Wissenschaft, die Branche von der staubüberzogenen Front wegzubekommen. Ich würde mir wünschen, mehr ausprobieren zu können. Ich persönlich möchte mich gerne mit der Digitalisierung der Literatur beschäftigen, doch scheint es mir, als werden alle Wege versperrt. Die Uni sperrt sich mit konservativen Einsichten, Mitstudenten sind teilweise konservativ und möchten nicht einen neuen Blick zulassen. Es gibt keinen „Raum“, in dem sich innovative, junge Leute austoben können — den wünsche ich mir.

Was man sich wünscht und nicht bekommen kann, muss man sich manchmal selbst schaffen. Doch hierzu fehlen die Möglichkeiten — eigentlich schade, sehr, sehr schade!

Liebe Grüße

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Über Hilke Bußmann

Hilke-Gesa Bußmann, geboren am 26. Januar 1990 in Aurich, verbrachte ihre Kindheit in den Weiten Ostfrieslands zwischen Deichen und Windrädern. 2009 verließ sie Norddeutschland und zog nach Offenbach, um an der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main das Studium der Germanistik, Theater-, Film- und Medienwissenschaft und Pädagogik aufzunehmen. Die Liebe zur Literatur begleitet sie seit ihrer frühen Jugendzeit. Das Studium ist eine konsequente Umsetzung der Leidenschaft zu einer beruflichen Perspektive.
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5 Antworten zu Blogparade: Wovon sollen wir träumen Teil 2

  1. Annie schreibt:

    E-books werden ihre Chance bekommen – alles eine Frage der Zeit. Auch die Literaturwissenschaft wird nicht auf Dauer umhin kommen, sich damit zu beschäftigen, will sie nicht dazu verkommen gestriges zu bewahren, eine Museumswissenschaft werden, die niemand mehr ernst nimmt, weil sie im Stillstand verkommt. Literatur oder besser das Buch wird immer ein besonderer Ausdruck in der Kulturgeschichte der Menschen bleiben, es wird geliebt, verehrt und manchmal sogar glühend verachtet. Gerade heute können wir es uns nicht leisten das Bildungspotential, das in der Literatur liegt, zu vernachlässigen. Die Literatur schafft es den Kopf zu eigenen Kreationen zu bewegen, Kreativität an sich selbst zu entdecken, indem das Kopfkino innere Bilder erschafft, die sich einprägen. Im Kino/TV erhalte ich fertige Bilder, im Internet mannigfaltig fertige Meinungen, Kommentare, lauthalses Geschrei, das ich gar nicht überhören kann, außer, ich ziehe den Stecker. Im Lesen bin ich ICH, mit den geschriebenen Wort alleine, das sich mit meiner Erfahrung verbindet, mit mir spricht, mich herausfordert, zum mitgehen auffordert. Die moderne Welt macht das Lesen noch erfahrungsintensiver. In E-books liegt diese Chance, aber auch die Gefahr der Reizüberflutung, die mich multimedial an jeder Ecke geradezu bedroht. E-books in Form von Schulbüchern (wer die Werke für drei Kinder kaufen musste, weiß, wie hart das Geld für diese Machwerke verdient ist, die dann nie benutzt werden und deren Anschaffung mit völlig sinnfreien Kopien/Kopiergeld ad absurdum geführt werden) wären eine wunderbare Bereicherung, weil sie flexibel wären, erweitert werden könnten, verknüpfbar sein könnten, wie man es von einem guten, fächerübergreifenden Unterricht erwarten würde. Gesetzestexte wären rasch veränderbar ohne leidiges ein- oder ausheften, vielleicht wären wissenschaftliche Texte auch durch eigene Notizen hervorragende Studienbegleiter – Bildung könnte richtig viel Spaß machen, mit einem digitalen Buch, dass sich von mir wirklich benutzen lässt und nicht einen heiligen Schrein der Unberührbarkeit um sich herum aufgebaut hat. Doch auch im Lesen erzählender Literatur ist das E-book durchaus eine Chance auf das Erreichen eines größeren Publikums, das gewohnt ist, schnelle Informationen zu erfassen, an Lesegeräten zu lesen, jenseits von Papier. Kurzgeschichten, die eine Pause bereichern, die sich durch jeden Zug ohne Aufwand schleppen lassen… vieles wird sich verändern, auch wenn wir das Papier, die Umschläge, die liebevollen Cover und das wunderbare Gefühl ein Buch in Händen zu halten noch so sehr lieben. Es wäre schön, wenn beides sich vertragen könnte, wenigstens eine Weile… bis die Augen sich an Lesegeräte gewöhnt haben, bis es Lesegeräte gibt, die mir das Gefühl des Liebhabens an einem Buch zurückgeben können. Dennoch wird die Literaturwissenschaft ihre wichtige Aufgabe des Bewahrens behalten dürfen, wenn sie es wagt, das Neue mit aufzunehmen – verhindern lässt es sich nicht, dazu wird es viel zu praktisch sein, zu verführerisch, letztlich zu bezahlbar. Ich liebe Bibliotheken und Buchhandlungen… aber sie gefallen mir auch, die Ideen, die es zu modernen Formen von Literatur in Sci-Fi Geschichten schon immer gab und unsere Realität nun möglich macht. Nur nicht entmutigen lassen, meine liebe Hilly, nimm die Tradition als Wissen mit in die Zukunft! Letztlich sind Neugier und die Neigung, durch Experimente zum Öffnen einer neuen Tür zu kommen, zutiefst menschliche Eigenschaften. Wer sie vergisst oder verneint bleibt stehen… was Stillstand ist, das ließt man bei Michael Schröder nach, Stillstand ist tödlich 😉

    • SalvoSchreibt schreibt:

      Da stimme ich dir zu. Die Digitalisierung wird sich nicht aufhalten lassen. eBook werden sich früher oder später durchsetzen. Es gibt zu viele Vorteile, gerade im Lehrbereich. Aber in den Universitäten wird dies bereits Realtität. Es werden digitale Bibliotheken eingerichtet, in denen man sein Lehrmaterial aus dem Netz bekommt. Kein Ausleihen, keine dicken Ordner, per Suche sofort auf ein Schlüsselbegriff, usw…
      Was mich persönlich auch interessiert, ist die Frage, wie es nach der Etablierung aussieht. Dann kommt nämlich das Problem der Raubkopien. 😉 So ein 500 KB großes eBook ist leicht vervielfacht und verbreitet, selbst mit Kopierschutz. Innerhalb von 5 Minuten könnte man sich so eine ordentliche Bibliothek zulegen.
      Oder das Lesen von raubkopierten eBooks im Internet. Sozusagen eine literarische Alternative zu kinox.to und co. … alles zukünftige Probleme, mit denen der Markt dann auch zu kämpfen hat.

    • Hilke Bußmann schreibt:

      Liebe Annie,
      deine Worte sind schön gesprochen, so poetisch und enthalten so viel Wahrheit. Ich hoffe, dass wir digitale Literatur als Alternative zu traditionellen Printbüchern einbringen können und beides vorhanden ist!

  2. SalvoSchreibt schreibt:

    Eine Zukunft, in der analoge und digitale Medien in der Buchbranche koexistieren wäre schon schön. Da stimme ich dir zu.
    Das einzig Positive, was ich gerade an Ebooks und der literarischen Digitalisierung sehe, ist, dass es Sprungbrett für Nachwuchsliteraten darstellen kann. Jeder Autor ist in der Lage, seine Sachen lesen und bewerten zu lassen. Du bekommst direktes Feedback von Lesern. Man muss eben nur entdeckt werden…
    Aber gerade darin liegt glaube auch das Problem an eBooks bzw dem eBook Markt: Jeder kann etwas produzieren und vermarkten. Dadurch steigt das Angebot und ein riesiger Haufen Bücher überschwemmt den Konsumenten, der den Überblick zwischen echten Perlen/genialen Nachwuchskünstlern und drittklassigen Autoren behalten muss. Für den Käufer wird es schwieriger.
    Aber ich spiele gerade selbst mit dem Gedanken ein eBook zu veröffentlichen. Eigentlich nur aus dem Grund des Selbsttests …
    Worauf ich in naher Zukunft hoffe, ist, dass sich Verlagsportale wie Neobooks durchsetzen (aber bitte ohne diesen schrecklichen Wettbewerbszusatz, der nur verfälscht). Ich stelle es mir so vor, dass man sein eBook/Roman dort online stellen kann, welches dann über den Verlag verkauft wird. So macht der Verlag, sowie der Autor sein Geld und eventuell entdeckt ein Lektor des Verlags ein gutes Werk, welches es in das offizielle Programm schaffen könnte.

    • Hilke Bußmann schreibt:

      Lieber Salvo,

      Internetplattformen wie Neobooks u.A. funktionieren und werden hoffentlich auch weiterhin Bestand haben, allerdings sollte man vielleicht bedenken, wer hinter den „Leuten“ da sitzt. Bei ähnlichen Plattformen (nicht Neobooks!) sitzten hinter der Fassade nicht unbedingt welche, die Ahnung vom Thema haben!

      Deine Sicht spiegelt klar die des Autoren wider. Aber stell dir doch mal vor, welche Vorteile du hättest, wenn du multimedial deine Bücher aufbauen könntest? Was für Möglichkeiten es dir bringen könnte!

      Damit keine Massen an Literatur aufkommen, sollten die Qualitätskriterien angezogen werden — Qualität setzt sich aber auch bei eBooks durch. Was gut ist, wird verbreitet und gelesen und immerhin ist es nicht so schlimm, wenn 30.000 eBooks von Neuautoren entstehen, die keiner liest — die Produktion ist ja wesentlich günstiger! Sogesehen ist es auch eine große Chance für Verlage.

      Liebe Grüße

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